Erreichen, Machen, Wirken wollte ich immer schon viel. Gern zum Guten, gerne für Jene, denen es nicht gut geht und gerne so, dass langfristige und nachhaltige Lösungen geschaffen werden. Aber wie bin ich zu meinem Beruf bzw. meiner Berufung gekommen?

 

 

Erstens, indem ich ...

Erstens, indem ich in meiner frühen Kindheit sehr unter meiner damals leicht vorhandenen, aber leider nie diagnostizierten Hyperaktivität und Lese- und Rechtschreibschwäche gelitten habe, die sich erst im Laufe der Gymnasialzeit vollständig aufgelöst hat. Und Zweitens, weil sich meine Eltern in meiner Kindheit zwar sehr geliebt, aber leider in meiner Jugend auch sehr gehasst haben. Mein Wunsch, jenen Familien zu helfen, die ähnlich hilflos waren wie unsere Familie damals, ist in dieser Zeit geboren worden. Und dann? Wollte ich nach dem Abitur erst einmal rein gar nichts von Problemfamilien wissen und Musiker werden! Nach vier Jahren hatte ich jedoch genug vom Musikerleben und beschloss, mich der Psychologie zu widmen. 

 

Meine ersten Schritte ...

Meine ersten Schritte führten mich in eine sehr intensive Form der Körperpsychotherapie, genauer, eine Core-Energetik-Ausbildungsgruppe von Frank Moosmüller und Klaus Riemann. Ein wunderschönes Bauernhaus im Allgäu und ein sehr großer Speicher, in dem wir gearbeitet und geschlafen haben, waren unsere Wirkstätte. Die Ausläufer der wilden 70er- und 80er-Jahre waren hier noch deutlich zu spüren. Das hat mir damals, in seiner großen emotionalen Freiheit, sehr gut getan. Mein damaliger Eindruck war, dass gute Musik und gute Therapie gar nicht so weit voneinander entfernt waren. 

 

Da mit reiner Körpertherapie ...

Da mit reiner Körpertherapie aber schon damals nichts zu holen war, habe ich mich, mehr widerwillig als euphorisch, entschlossen, ein Psychologiestudium aufzunehmen. Lieber hätte ich mir einen alten Hof gekauft und Familien, denen es nicht gut ging, meine frisch erlernten therapeutischen Fähigkeiten angeboten. Unrealistisch und naiv, aber als Vision für meine weitere Entwicklung sehr bedeutsam. Mit dem Studium begann also mein Versuch, die klassische Form der Psychotherapie mit meinen Vorstellungen vom „heilsamen Leben auf dem Bauernhof“ zu verbinden. 

 

Bereits im Grundstudium ...

Bereits im Grundstudium bin ich mit der systemischen Form der Psychotherapie in Kontakt gekommen, die Begriffe wie "Schule", "Wahrheit" und "Wirklichkeit" durch die Frage nach der Nützlichkeit ersetzte. Gemeinsam mit dem Klienten zu entscheiden, ob etwas als nützlich und hilfreich erlebt wird, hat mich sehr angesprochen. Zumal mir der Gedanke, dass Symptome als wertvolle seelische Impulse verstanden werden müssen, sehr entsprochen hat. 

 

Im Berlin der späten Neunziger ...

Im Berlin der späten 90er-Jahre habe ich dann gefunden wonach ich gesucht hatte - einer Möglichkeit, meine Vision von einer körperorientierten Therapie mit den Ansätzen und Ideen der Systemischen Therapie zu verbinden. Gemeinsam mit einer jungen Gruppe von Kolleginnen und Kollegen schloss ich mich einem alten Gutshaus in Mecklenburg-Vorpommern, am Rande des Nationalparks gelegen, an, um hier unsere Form von Psychotherapie zu entwickeln, zu leben und werdende Therapeuten auszubilden. 

 

In dieser Zeit lernte ...

In dieser Zeit lernte ich auch meine Frau Silke kennen, mit der ich gemeinsam meine Ideen von seelischer Gesundheit, Therapie und Ausbildung diskutieren und in den kommenden Jahren formulieren durfte. Bereichert durch meine eigene systemische Ausbildung am IFW München, dem Minuchin Center New York und einem längeren Forschungsaufenthalt am Mental Research Institut (MRI), der Geburtsstätte der systemischen Arbeitsweise in Palo Alto, Californien, stürzte ich mich, frisch zurückgekehrt aus den USA, in die Berliner Psychotherapielandschaft. 

Neben meinem ...

Neben meinem körperpsychotherapeutischen Fundament hatte mein Freund und Lehrer, Prof. Peter Müller-Egloff, großen Einfluss auf mein Wirken. Salvadore Minuchin (New York), Paul Watzlawick (MRI, Palo Alto) und Gunther Schmidt (Heidelberg), den ich in meiner Zeit an der psychosomatischen Klinik am Hardberg kennenlernen durfte, waren ebenfalls zentrale Quellen für mein systemisches Handeln. Anfang 2000 habe ich so, inspiriert durch die unterschiedlichsten Quellen, meine eigene Form des therapeutischen Arbeitens entwickelt: die körperorientierte Systemische Therapie oder auch die Systemische Körperpsychotherapie. 

 

Der bisherige Höhepunkt ...

Der bisherige Höhepunkt meiner Entwicklung war sicherlich das Ausrichten der 13. wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Beratung (DGSF) in den Räumlichkeiten der Humboldt Universität zu Berlin mit dem Titel „System & Körper. Der Körper als Ressource in der Systemischen Praxis“. Die DGSF ist inzwischen mit rund 7000 Mitgliedern Europas größter Fachverband im Bereich Therapie und Beratung. Der Andrang war so groß, dass das Anmieten sämtlicher zur Verfügung stehender Räumlichkeiten vom Hauptgebäude der Humboldt Universität Unter den Linden notwendig war. Alleine die Kosten hierfür sprengten damals jeden vorstellbaren Rahmen.

 

Die Einladung von Prof. R. Richter ...

Die Einladung von Prof. Dr. Rainer Richter, dem Bundespräsidenten der Psychotherapeutenkammer, setzte dem Ganzen das i-Tüpfelchen auf. Seine Grußworte, gesprochen in dem Audimax, in dem schon Albert Einstein seine Vorlesungen gehalten hatte, waren für die systemische Landschaft in Deutschland ein starker Impuls. Ich denke, dass es, ohne dieses Ereignis mit seinen politischen Dimensionen in der Bundeshauptstadt, der GST in Berlin nicht gelungen wäre, sich in den Jahren 2011 – 2017 als einzige systemische und staatlich anerkannte Ausbildungsstätte in Deutschland durchsetzen zu können, die Psychologische Psychotherapeuten in Systemischer Einzel-, Paar- und Familientherapie ausbilden konnte (Approbation).

 

Aber gehen wir  ...

Aber gehen wir noch einmal ein Schritt zurück. Ich denke, dass mein erstes Buch, die "Choreographien der Seele" (sicherlich geschrieben, um nichts Anderes zu tun, als die Welt zu verändern), ein wesentlicher Wegbereiter war. Trotz allem jugendlichen Sturm und Drang hat das Buch bis heute Bestand. Ich würde es heute genauso wieder schreiben, jedoch vermutlich ohne die Sturm-und-Drang-Elemente. Die ersten „System & Körper“-Kongresse in Berlin, sowie die Aufnahme meiner Gedanken in die viel beachtete Einführungsreihe des Carl-Auer-Verlag ("Einführung in die körperorientierte Systemische Therapie", 2010) waren sicherlich weitere Meilensteine auf dem Weg, die früh erfahrene seelische Heilung in der Geborgenheit von einem zum Seminarhaus umfunktionierten Bauernhauses mit den modernen, aus den USA kommenden und in Deutschland weiter entwickelten, Ansätzen der lösungs- und ressourcenorientierten Systemischen Therapie zu verbinden. 

 

Heute kann ich sagen, dass es mich sehr stolz macht, mit der Berliner GST eine staatlich anerkannte Ausbildungsstätte geschaffen zu haben, die landesweit mit mehr als 100 Kliniken kooperiert. Hier nehmen wir jährlich rund 100 Ausbildungsteilnehmer/-innen in das erste Semester auf, um mit ihnen gemeinsam die heilsame Kraft der (körperorientierten) Systemischen Therapie zu erleben und zu erlernen.